Ein facettenreicher Pierre Favre

T.Z. am 03.10.2010                         

…. Das unter seinem Chefdirigenten Claude Villaret genau hinhorchende Orchester agierte vom Tutti über einzelne Register bis zum solistischen Beitrag, war Fundament für den Protagonisten Favre, verzahnte sich mit dessen Spiel und gebärdete sich seinerseits «perkussiv», zog lyrische Bögen, schichtete den Satz polyfon, strich warm-zarte Liegetöne, erweiterte das Farbenspektrum durch Pizzicati und liess den Klang auch mal voller aufblühen. Atmende Phrasierung Das seit 2004 als Berufsorchester geführte Thurgauer Kammerorchester legt den Programmschwerpunkt auf Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Das Konzert mit dem Motto «Strings and Percussion» erfüllte dieses Leitbild vollauf, erklang doch nach der Pause eine Sinfonietta für Streichorchester des Engländers William Alwyn (1905–1985). Es ist dies ein ausgefeilt gearbeitetes Werk, das hier in gewissen rhythmisch akzentuierten Passagen und in seinem nicht neutönerisch rabiaten, sondern neoklassizistischen und auch neoromantischen Gestus manchmal zu Favres «Concerto» hinübergrüsste. Unter Villarets umsichtiger Leitung attackierte das Orchester motorisch schwungvoll und entband bei schön atmender Phrasierung ausdrucksstarke lyrische Linien, staffelte fugierte Einsätze gut durchhörbar und machte so auch das hohe kompositionshandwerkliche Niveau des 1970 uraufgeführten Dreisätzers deutlich. Ein Extra-Lob an die Adresse des Konzertmeisters für seine hingebungsvoll ausgeformten Soli!

TORBJÖRN BERGFLÖDT

Wiederaufnahme Konzerte in Zürich, Kreuzlingen und St. Gallen (7., 8. und 9. April 2011). www.tkorchester.ch