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Dienstag, 14. März 2006 Das TKO in überzeugender Formweinfelden. Schostakowitschs zwei Gesichter: Bekenntnismusiker
und augenzwinkernder Unterhalter. Bei der von Rudolf Barshai nach dem 10.
Streichquartett transkribierten Streichersinfonie op. 118a, einer
Trauermusik, erlebte man das Thurgauer Kammerorchester TKO vorgestern im
Rathaussaal von allen Programmnummern am beteiligtsten. Ironische TonspracheSchostakowitsch, der grosse Sinfoniker und, wie
eben im op. 118, grosse Streichquartettmeister, lebt in den Jazz-Suiten auch
die spritzige Seite aus. Dass die Musik von Johann Strauss wirklich genial
ist, zu dieser Erkenntnis kam Schostakowitsch erst nach vielen Vorurteilen
und huldigt ihm in diesen Suiten durchaus. Das TKO zeigte diesen Aspekt des
grossen Russen konzentriert und präzise in der Ausführung ironischer
Tonsprache. Zwischen Zirkus, Film, Salon und Ballet: Zu witzigem, rhythmisch
mitreissendem und mit Stilempfinden gestaltendem Musizieren konnte Villaret
da in jedem Takt anhalten. Kompakte Natürlichkeit150 Jahre vor Schostakowitsch erblickte Mozart das
Licht der Welt. Schön, dass ein Konzert beide Genies an einem Abend zeigte.
Mit Adrian Oetiker hat das TKO einen international tätigen Schweizer
Pianisten verpflichten können. Mozarts Klavierkonzert «Jeunehomme» (KV 271)
spielt Oetiker brillant, technisch makellos, die Partitur äusserst luzide
umsetzend. Allen Sätzen gibt er eine Art kompakter Natürlichkeit. Kadenzen
kommen wie aus einem Guss, und Oetikers Lyrik im zweiten Satz ist sehr
strukturiert. Statt allzu grosser Gefühle unterstreicht er die
direkte Linie. Der Möglichkeit, sich in Mozart auch einmal zu verlieren,
zieht er stets kristallklare Architektur vor. Quirlig kommt da alles daher,
mit pianistisch und intellektuell klar durchdachter Gestik. Auf den gänzlich
warmen, vielleicht sogar einmal selbstvergessenen Ton will sich Oetiker hier
nicht einlassen. Das TKO bewies bei diesem Klassiker der
Klavierkonzerte mehr als bloss präzises Begleiten: Kraftvolle Dialoge und
viel Aufmerksamkeit fürs solistische Geschehen. Vor dem «Jeunehomme» gab es
als Start der dreiteiligen Konzertreihe Mozarts Divertimento KV 138. Solide,
kernig, aber seltsamerweise mit weniger Anteilnahme gespielt als die
Schostakowitsch-Nummern, mit denen sich das TKO über das nur
Durchschnittliche deutlich erhob. M. P. Nächste Konzerte: Frauenfeld (Rathaussaal): Fr, 17. 3., 20 Uhr; Zürich (ZKO-Haus): Sa, 25. 3., 20.15 Uhr. |