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Kultur, Montag
19.2.2007
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© Thurgauer Zeitung
Moderne nicht als Pflichtübung
Die Mischung
aus Moderne und Tradition
funktionierte auch im ersten Konzert
der Saison 2007, in der das
75-Jahr-Jubiläum des Thurgauer Kammerorchesters
gefeiert wird.
Martin Preisser
Kartause Ittingen- Start zum 75-Jahr-Jubiläum des Thurgauer Kammerorchesters
(TKO): Chefdirigent Claude Villaret
setzte an den beiden Thurgauer Auftritten am Wochenende in Weinfelden und der Kartause Ittingen auf das Markenzeichen seit seinem Amtsantritt,
nämlich Moderne und
Tradition in Sinn stiftenden Programmen
zu vereinen. Vom argentinischen Komponisten José Hernán Cibils erklang zur Konzerteröffnung ein Auftragswerk des TKO als Uraufführung. Cibils «Tripticorde» entpuppte sich als moderate Moderne, im ersten Satz
von ein wenig wehmütigem Charakter. Echt lateinamerikanisch war der dritte Satz
mit komplexen Rhythmen, die sich an einem Kinderlied entzündeten. Mit Geschick und Präzision setzte das Thurgauer Kammerorchester dieses Werk um.
Moderne wurde zum Erlebnis
Moderne nicht als Pflichtübung, sondern als Ausdruck von Begeisterung, das scheint sich Claude
Villaret hörbar
auf seine und des Orchesters Fahnen
geschrieben zu haben: Auch im
zweiten Programmpunkt, dem Konzert für
Marimbafon und Streichorchester
des Brasilianers Ney Rosauro,
wurde engagiert musiziert. Und für das Publikum geriet das Konzert zum echten
Leckerbissen. Marimba-Solist
Maxime Favrod verstand es, so sensibel wie herrlich virtuos und mit beeindruckender Klang-palette für sein Instrument einzunehmen, ein Instrument, das eine beruhigende, ja «abhebende» Wirkung entfaltet. Schlank, spannend und vital begleitete
das Thurgauer Kammerorchester
diese Musik. Das Publikum erklatschte sich eine Solo-Marimba-Zugabe.
Claude Villaret ist einer jener Dirigenten, die ihre Partituren erst einmal sehr
gut kennen, um sie dann mit innerem
Feuer und äusserer entspannter Präzision vom Orchester abverlangen zu können. Und so wird Moderne in den Konzerten des
TKO eben zum Erlebnis und nicht zur Alibi-Veranstaltung.
Satt, warm und intensiv kam nach der
Pause auch im klassischen Teil Tschaikowskis Streicher-Serenade
über die Bühne, ein anspruchsvolles Werk. Kraftvoll konnte Villaret die Streicher-Register auffächern.
Elegant das Tänzerische des zweiten,
von gepflegter Sentimentalität
der dritte Satz. Ein guter
Schuss Romantik, aber nie überborden und quasi klassisch konturiert: Ein Tschaikowski, der wirklich überzeugte. Hauchzart liess Claude
Villaret die Pianissimo-Passagen der Elegie aufscheinen und animierte packend im Finale zum Entladen der Energie, zum mitreissenden Perpetuum mobile.
Ein toller Start ins Jubiläumsjahr war der aktuelle TKO-Auftritt.
Weitere Aufführung: Sonntag,
25. Februar, 11 Uhr,
ZKO-Haus (Zürich-Seefeldstrasse).
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